Sammy die Mandoline

Ich gebe es zu, Sammy ist ein beknackter Name für eine Mandoline. Allerdings als ich Sammy endlich in den Händen hatte fiel mir kein anderer Name ein, bzw. es paßte kein anderer Name. Sammy ist eine Rundbauchmandoline und sollte eher Siegfried oder Hagen heißen ;-) aber es paßt nicht, denn Sammy ist furchtbar niedlich, zerbrechlich und klein... und kaputt. Ich habe Sammy für wenig Geld in der Bucht geschossen. Keiner wollte ihn haben, denn er ist nicht spielbar und recht in Mitleidenschaft gezogen. Von mütterlichen Instinkten getrieben nahm ich ihn bei mir auf und gedenke ihn aufzupeppeln

Mandolinen haben meist vier Saitenpaare und sind wie eine Violine gestimmt, also in Quinten. Das bedeutet leider, daß ich Akkorde neu lernen muß und erstmal sehen muß, wo welcher Ton auf dem Griffbrett ist. Aber man hat ja sonst nix zu tun.

Davor muß die Mandoline allerdings erst wieder in Schuß gebracht werden.

Befreite Mandoline: die Hardware und Saiten sind schon ab. Die Bünde sind schon gereinigt und poliert worden. Das Griffbrett erhielt mehrere Behandlungen mit Griffbrettöl. Man sieht zwei feine Risse in der Decke. Mandoline von hinten: der Saitenhalter wurde auch schon gereingt und poliert. Auch im Bauch hinten gibt es Risse, die wieder verschlossen werden müssen. Die Hardware: Die Mechaniken müssen noch mehr geputzt werden, allerdings nicht zu viel, denn sie sollen ja schon noch alt aussehen. Der Steg ist sowas von hinüber; ich kann aus dem Ebenholz noch einen hübschen Kettenanhänger machen. Ein neuer Steg muß also her. Die Saiten sind eh Schrott.
Aus Fichenholz hab ich zwei kleine Stückchen ausgesägt. Diese wurden von Innen an die Decke geleimt um die Schwachstelle des Instrumentes, die Risse, zu stützen. Schließlich möchte ich die Mandoline im Sommer mit zum Baggersee nehmen und Leute nerven, da sollte sie ein wenig was aushalten bzw. als Schlaginstrument für verärgerte Badegäste dienen. Die Stückchen wurden mittels eines Drahtes, der durch die Risse geführt wurde, nach Innen gezogen und angeleimt. Sowohl die Risse hinten am Bauch, als auch die Risse auf der Decke wurden abschließend mit Sekundenkleber verschlossen. Das sollte halten.

Nach längerem Warten auf Saiten und Steg von einem Musikalienhändler aus meiner Heimat, konnte Sammy fertig gestellt werden. Der Steg, der da ankam war leider zu groß, daher mußte ich ihn absägen. Was bin ich froh, daß ich mir erst diesen Frühling eine Japansäge geleistet habe, da Ebenholz sowas von verf**** hart ist, daß ich jahrelang am Steg hätte nagen können, ohne daß sich etwas getan hätte. Nachdem die Saiten aufgezogen wurden kam der spannende Moment: Stimmen

Stimmen, ja, aber wie ohne Geige? Quinten liegen mir eigentlich immer im Gehör, seitdem ich mich mit Streichinstrumenten beschäftigt habe, allerdings wußte ich in diesem Fall nicht die Oktavlage. Also G-D-A-E ok, aber wie hoch? Ein Referenzvideo eines Mandolinenspieles aus dem Internet brachte die furchtbare Erkenntnis, daß ich Sammy eine Oktav zu tief gestimmt hatte. Furchtbar deswegen, weil ich es beim Nachstimmen mit der Angst zu tun bekam, Augen schloß und Gesicht weit wegdrehte. Daß die neuen Saiten mit Silber beschichtet sind ist ja schön und gut, aber EIN Piercing im Gesicht reicht mir dann auch schon völlig. Die Mandoline ächzte und stöhnte, gab sogar krachende Geräsche von sich, wobei ich dachte, daß wenn ich sie nicht stimme, ich sie auch gleich als Deko benutzen könne, und wenn ich sie stimme und sie mir unter den Händen zerschellt oder um die Ohren fliegt, ich sie immernoch an die Wand nageln könne.

Erstaunlicherweise hat die Mandoline das Stimmen überlegt und ist sogar recht stimmstabil, wenn man bedenkt, wann das letzte mal auf ihr gespielt wurde, was eine Geruchsprobe (riecht wie Uropas Moderkeller) andeutet. Das Spielen ansich ist sauhart, die Saitenspannung abartig, meine Arztrechnung horrend. Es ist schon eine enorme Umstellung mit so winzigen Bundabständen zu spielen, auch empfinde ich das korrekte Niederdrücken eines Saitenpaares als viel schwieriger als z. B. auf meiner 12-saitigen (inzwischen aber kastrierten) Westerngitarre. Aber ich übe, täglich (natürlich ;-) )und die Hornhaut wächst.

Wer auch Mandoline lernen will, dem sei diese Seite empfohlen.