Der weiße Drache 

Dies ist die Geschichte von einem äußerst preiswerten Bass aus einem Einsteigerpaket.

Es muß Jahre her sein (und wenn ich darüber nachdenke welchen Geburtstag ich bald feiere, dann ist es wohl so), da ich eines Tages die Gelegenheit hatte mal wieder in meiner Wahlunistadt Jena zu verweilen. Und irgendwie, ich weiß auch nicht mehr genau warum oder was der Auslöser war, kamen langgehegte und wieder versteckte Wünsche empor, nämlich Bass spielen zu können und daher einen Bass mein Eigen nennen zu wollen; diese Träume, die seit meinem 15 Lebensjahr in mir schlummerten und ein jähes Ende fanden, als mir meine Eltern verboten die Bassnachfolge des Jugendblasorchesters anzutreten.

Jedenfalls, eines Tages in Jena, bewaffnet mit einer Kreditkarte, überkam mich der spontane Wahn mir sofort einen Bass zu kaufen. Ehrlich gesagt hat es auch nie sonderlich viel Spaß gemacht den Basslauf zu "Lady Madonna" mit den oberen vier Saiten meiner Jugendgitarre zu spielen.

 

hier ist er also, der Chester PJ-Bass
  • Korpus: Linde massiv
  • Hals: Ahorn
  • Griffbrett: Palisander
  • 20 Bünde, 2 Volume, 1 Tone Regler

Ich bin eigentlich recht zufrieden mit dem Teil, in der Tat ist es der Bass, den ich am meisten spiele. Vielleicht weil er so leicht ist, schwupps gepackt und losgelegt. Nur das Äußere hat mich schon immer gestört. Das weiße Schlagbrett am meisten. Außerdem war ich irgendwann neugierig, was sich darunter verbergen mag. Bei der Demontage der Potiknöpfe, sprich Abrupfen derselbigen, ist leider der Stift des Drehwiderstandes im Potiknopf steckengeblieben und der Poti war somit im Arsch: große Frustration

Also schnell neuen passenden (!) Poti besorgt und wenn man schon dabei ist gleich alles weitere ab vom Korpus. Ein wenig hin- und herüberlegt und schon stand die neue Designidee:

Bemalen, am besten mit Acrylfarbe und da ja ein Klarlack auf dem Korpus drauf ist am besten mit Acryllack. Ohne jegliches Wissen welcher Lack sich mit welchem Lack verträgt ging ich von der Annahme aus, daß sich ein Lack auf Wasserbasis sicherlich mit anderen Lacken vertragen wird. Tat er auch, zum Glück, irgendwie. Also stand einer Bemalung (korrekterweise einer Pinselzeichnung) auf dem Korpus nix im Wege, inkl. späterer Mattlacklackierung, weil es cooler ist.

Den Hals habe ich abgeschliffen und mit schwarzer Wasserbeize behandelt. Leider war das Ergebnis vernichtend, sprich zum Heulen. Die Vorstellung eines toll schwarz gemasterten Halses entsprach leider gar nicht der Realität, die sich mir nach der Trocknung gnadenlos zeigte. Also wandt ich die Radikalmethode an, griff zu einer Dose K-Felgenlack in dunkelschwarz und benebelte den Hals damit. Sehr fein das.

Das Griffbrett wurde ebenfalls mit der Tütchenbeize behandelt und es wurde tatsächlich viel dunkler. Da die Tütchenbeize auf Wasserbasis ist trug ich hinterher mehrere Schichten Teaköl auf, was dem Griffbrett sagen wir mal einen "semitranspirablen" Schutz bietet: haste trockene Pfoten passiert nix, biste am schwitzen haste schwatte Händ. Da ich beim Üben so gut wie nie ins Schwitzen komme ;-) ist das Resultat ganz o.k..

Dem Pickguard/Schlagbrett wurde eine neue Haut verpaßt. Ich hatte da so ein Stück von zwei auf drei Metern Kunstleder in Schlagenlederoptik rumliegen, aus dem ich mal einen Gigbag nähen wollte (will ich immernoch irgendwann... nur wann...). Ich hab damit das weiße Schlagbrett einfach beklebt.

 

  • Korpus: Zeichnung mit weißem Acryllack, matt lackiert mit Sprühlack auf Wasserbasis
  • Hals: schwarz gesprüht mit K-Felgenlack
  • Griffbrett: schwarz gefärbt mit Tütchenbeize auf Wasserbasis, Schutz aus mehreren Schichten Teak-öl
  • Schlagbrett: beklebt mit Kunstleder in Schlangenlederoptik