Egal, das Teil wiegt 5,1kg und das obwohl sogar das im Griffbrett fehlt.
Die Entstehung von Blondie ist eine längere Geschichte. Allein die Bauzeit hat einige Monate betragen. Wieviele Stunden aber alleine für Ideensuche und Recherche draufgegangen sind, daran mag ich gar nicht denken, aber für was ist die Stunde Bahnfahrt zur Arbeit denn sonst gut oder die stille Stunde ganz früh am Morgen, wenn die Welt noch schlummert?
Blondie ist ein Dschäß-Bass oder sowas in der Art, ein wenig länger, dafür schmaler. Irgendwie wohl größer , ich überleg ja immer noch wegen der fünf Kilo... Eigentlich hasse ich J-Bässe, wobei hassen zuviel ist. Ich finde die Form einfach nur hässlich, hässlich, aber ich habe mich während der Ideenfindung komplett durch die ganze Fender-Homepage gequält. Und vielleicht ist es so wie bei einem hässlichen Mann, den man lange Zeit um sich herum hat, irgendwann gewöhnt man sich an das Äußere und findet es attraktiv ;-). Jedenfalls war irgendwann klar, daß ich J-Bass Tonabnehmer und die J-Bass Mensur benutzen möchte und so entschied ich mich dann auch die Form zu übernehmen, allerdings diesen fetten Bauch vom Korpus etwas abzuspecken und das Teil schlanker zu machen. Die typische Kopfplatte wollt ich auch anders haben.
Da ich vor dem Bau doch einigen Respekt hatte, vor allem vor dem Bau eines Basshalses, entschied ich mich einen halbfertigen Hals zu kaufen, also grob vorgeschliffen, noch mit geradem Griffbrett und einer Kopfplattenplatte ;-) Ich fand nach viel Suchen so ein Modell, wobei der leider mit 40mm am Sattelpunkt um 2mm (für einen Dschäß-Bass) zu breit war und so mußte ich den noch verkleinern. Im Nachhinein muß ich sagen, daß ich so viele Modifikationen an dem Halbfertigteil noch machen mußte, daß ich auch gleich selbst nen Hals hätte bauen können.
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| Die Escheplatte, massiv, 4cm Dicke von vorne | Die Escheplatte von hinten, immernoch auf Kissen gebettet | Der Hard-Rock-(Rrrrrrr)-Maple Rohhals, einteilig |
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| Profimäßig wird der Hals eingespannt, mit Spezialmaterial das empfindliche Holz geschützt und er kann bearbeitet werden. Neben dem Aussägen der Kopfplatte muß diese an manchen Stellen auch in der Dicke verkleinert werden, die Ecken werden abgerundet und ein Schlitz für den Steg gesägt. Außerdem wird der Hals um 2mm an der Stegseite verschmälert. Das Griffbrett erhält einen Radius von 12 Zoll. | ![]() |
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Die Löcher für die Mechaniken müssen gebohrt werden und die Bundmarkierungen gesetzt. Zu sehen (?) auf dem Bild als ganz kleine schwarze
Punkte. Die Mensur soll einmal 34 Inch (864mm) betragen. Die Bundmarkierungen werden genau auf die Bundpositionen gesetzt; Blondie soll mal fretless
werden.
Der Entwurf des Korpuses wird auf Spanplatte übertragen und diese ausgesägt. Aha, so soll der Bass mal aussehen. |
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| Zum Glück dauern Holzarbeiten recht lange, vor allem, wenn man auf viel Handarbeit angewiesen ist, weil einem automatische Werkzeuge
fehlen. So war auch genug Zeit, um sich um die Kleinteile bzw. die Hardware zu kümmern. Das Angebot verschiedener Läden ist
ja recht groß. Leider ist man voll und ganz auf Bestellungen angewießen, da die Shops ja nicht um die Ecke sind. Besonders ein großer Musikalienversand brachte mich schier zum Verzweifeln, falsche Lieferungen, fehlende Waren, gar keine Lieferungen und das erstreckte sich über, ich möchte sagen, Monate. Ich sag´s mal so: Ich habe den Laden nicht angezündet!!! In der Zeit des Wartens auf die schönen Kleinteile wurde die zukünftige Form des Korpuses mittels Schablone auf das Eschenbrett aufgetragen und grob mit einer Stichsäge mit 1000000 Watt und Diamantschneideblättern (ich sage nur: HARTHOLZ) ausgesägt. Dann kam die Oberfräse zum Einsatz. Die Spanplattenschablone wurde mit zwei kleinen Schrauben auf der Esche befestigt und mit dem Bündigfräser der Umriß haargenau von der Esche abgefräst. |
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Die Kanten des Korpus werden mit der Oberfräse abgerundet. Auch hier ist es wichtig, daß die Oberfräse genug Leistung
erbringt und die Fräsköpfe für Hartholz geeignet sind.
Ebenfalls mit der Oberfräse und einem Stechbeitel wird die Halstasche erstellt. |
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| Mit einem Schabhobel und einem kleinen Hirnholzhobel werden die Korpuskonturen vorne und hinten gehobelt. Der Rest ist noch viel Handarbeit mit Feilen und Schleifpapier. Wo gehobelt wird, fallen Späne! | ![]() |
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Lacke haben als Lösungsmittel nicht immer Wasser und genau dann machen sie glücklich. Äh ja... jedenfalls da der Natur die Maserung des Holzes so gut gelungen war sollte kein deckender Lack dieses Wunderwerk verdecken. Also sollte der Korpus Schellack erhalten. Schellack ist ein Naturprodukt und wird aus Ausscheidungen von Läusen gewonnen. Lösbar ist er in reinem Alkohol. Schellacklackierung ist nicht ganz trivial und man braucht viel Geduld, Geduld, die ich im Endeffekt nicht hatte, denn obwohl Schellack schon nach wenigen Stunden soweit ausgehärtet ist, daß man ihn vorsichtig berühren kann, wird er erst nach Wochen bis Monaten richtig hart. Empfindlich bleibt er allerdings für immer.
Wer mehr über Schellack erfahren möchte, der kann mal hier nachsehen.
Beim Hals gab es folgendes Problem: da der Bass fretless werden sollte, brauchte es ein Griffbrett was hart genug ist, um den ständig reibenden Saiten Widerstand zu bieten. Da der Hals allerdings einteilig aus Ahorn bestand, und somit das Griffbrett auch aus Ahorn, mußte das Holz irgendwie geschützt werden. Der großartige Bassist Jaco Pastorius tat dies in den 70ern indem er das Ahorngriffbrett seines Basses mit Bootslack schützte. Also wurde bei Blondie der Hals auch dick mit Bootslack (auf Kunstharzbasis) eingepinselt.
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Der Hals ist mit mehreren Lagen Bootslack lackiert worden. Hier zu sehen ist sein entzückender Rücken. Der Korpus ist mit Schellack lackiert. Leider ist der Lack nicht irisresistent, also er genügt nicht den härteren Anforderungen. Allerdings ist der Schellackglanz schon was besonderes. | ![]() |
Nicht weil Abschleifen so viel Spaß macht, sondern weil sie nicht schnell genug bzw. hart genug aushärteten. Der Bootslack entpuppte sich als zu elastisch, was bei Booten sicher Sinn macht, auf einem Griffbrett aber für Probleme sorgt. Während der Bootslack mit gutem alten Schleifpapier vom Hals wieder entfernt werden konnte, war das Ablösen des Schellackes leichter. Mit reinem Alkohol konnte der Lack einfach mit Wattepads abgerieben werden. Das ist zwar eine stinkende Sauerei aber dennoch angenehmer als ein Schleifmarathon.
Ein neuer Lack mußte her. Der Fachhandel empfahl Holz- und Parkettsiegel. Das ist ebenfalls ein Lack auf Kunstharzbasis und der angeblich härteste Holzlack von Welt. Da Esche recht grobporig ist, mußten vor dem Lackieren mit Holzsiegel die Poren verschlossen werden. Dies geschah schon vor der Schellacklackierung mit Bimsmehl und Talkumpulver. Die Porenfüller wurden allerdings vom Alkohol auch wieder herausgewaschen. Also kam jetzt Schnellschleifgrund zum Einsatz, der die Poren recht gut verschloß. Hals und Korpus wurden beide nun komplett mit Holzsiegel lackiert.
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Fehlte noch ein Sattel aus leckerem argentinischen Rinderknochen. Dieser wurde zugesägt und zugefeilt. Außerdem mußten unbedingt noch Pickuprähmchen her. Diese wurden aus mehrschichtigen Preßholzsdingsen gefertigt. Der Bass konnte dann zusammengebaut werden. Nach einigen Tagen Einstellarbeiten und Warten und wiederholten Einstellarbeiten ist der Bass nun einsatzbereit.
Fertig!